»Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder ob es nur so scheint.«

Das Universum von PLASMA - voller Zeitschlaufen und Wirklichkeitsverschiebungen - widmet sich in OBDUKTION der Figur und den Gedanken Heinrich von Kleists.

Kleists Verzweifeln daran, dass wir nicht wissen können, ob die Welt, die wir beschreiben, wirklich so ist, wie wir sie sehen und der stolpernde und überbordende Versuch, sie dennoch in Worte zu fassen, sind perfektes Spielmaterial für die Tragikomiker, die das PLASMA-Universum bevölkern.

Diese verkörpern auf der Bühne nicht die Figur Kleist, aber sie lassen sich von der Spannung zwischen hypertonischem Über-Ich und Realität szenisch vorantreiben. Die überhöhten Ansprüche, die Kleist an sich und Andere stellt, und die ein Scheitern geradezu implizieren, werden auf der Bühne zu tragikomischen Verkettungen.

In einem Raum, der ein szenisches Denkorgan sein könnte, oder eine raumfüllende Schreibmaschine, beginnt eine Partitur aus Handlungen, Bildern, Tönen und Sätzen. Aus der konzertanten Lesung mit uniformen Sprechern wird ein komplexes szenisches Geschehen mit emanzipierten Figuren. PLASMA zeigt Kleists Schreiben als Versuch, das Unbekannte dingfest zu machen und so Halt zu finden in einer verwirrenden Welt.

In der Verschmelzung von Installation und Darstellern entsteht das szenische Portrait eines sensiblen, empfindsamen Wesens, das die grössten Schwierigkeiten hat, seinen Gefühlen unmittelbaren Ausdruck zu verleihen. Fast schon beschwörend klammert sich Kleist an die Vernunft, konstruiert Lebensentwürfe und versucht, das Glück mittels seines Intellekts zu zwingen. Doch nichts bietet wirklich einen Halt, keine Idee vom Leben hat wirklich Bestand.

OBDUKTION ist eine Koproduktion mit dem Theaterhaus Gessnerallee Zürich und dem Schlachthaus Theater Bern. Am Projekt sind 5 Schauspielerinnen, 2 Musiker und 3 Techniker beteiligt.

:

Mit freundlicher Unterstützung von:

  • Abteilung Kulturelles der Stadt Bern,
  • Alfred und Ilse Stammer-Mayer Stiftung,
  • Amt für Kultur des Kantons Bern / SWISSLOS,
  • Burgergemeinde Bern,
  • Ernst Göhner Stiftung,
  • Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung,
  • Fondation Nestlé pour l’art,
  • Hamasil-Stiftung,
  • Kanton Zürich Fachstelle Kultur,
  • Migros Kulturprozent,
  • René und Susanne Braginsky Stiftung,
  • Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia,
  • Sophie und Karl Binding Stiftung,
  • Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr

Pressestimmen:

Wowo Habdank, Jorgos Margaritis, Andreas Spaniol und Jesko Stubbe zeigen das allmähliche Verfertigen von Kleist beim Spielen; spielen Quartett mit kurzen Kleist-Ansichten. ›Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder ob es nur so scheint‹, schreibt Kleist 1801 in einem Brief an seine ›Herzens-Wilhelmine‹. Und wenn alles flirrt, heisst die Wahrheit Trompe-l’Œil. Oder eben: ›Obduktion‹ - so titelt das schillernde Kleist-Porträt der Zürcher Theaterformation Plasma, das am Mittwoch im Theaterhaus Gessnerallee uraufgeführt wurde. Plasma hat die Figur des Schriftstellers vervierfacht, Fragen spiegeln sich in Fragen, Antworten verheddern sich in Antworten. Zitate, Szenen, Musikfetzen geben einander die Hand auf diesem ›sicheren Weg, das Glück zu finden‹, wie der ironische Untertitel dieser Soiree nach einem Kleist-Aufsatz lautet. Die Theater-Experimentatoren um den Regisseur Lukas Bangerter haben mit ›Obduktion‹ eine Fuge der allgemeinen Verunsicherung geschaffen... Einfach gut beispielsweise, wie Mirjam Zbinden (wendig in der Rolle der wechselnden Geliebten) von einem Kleist zum nächsten tanzt – Identität ist schliesslich bloss ein Wort... Ein Theaterabend, der nicht bloss ein dramatisches Trompe-l’Œil ist.

Neue Zürcher Zeitung

Der Regisseur und Autor Lukas Bangerter hat mit seiner Theatergruppe PLASMA eine atmosphärisch dichte Theatercollage geschaffen … EineVorstellung, die einen zu einer neuen Auseinandersetzung mit dem Dichter zwingt.

Der Bund

Weiterführende Information

Technical Rider