»Und meine Kugel wird Ihre Dura Mater durchdringen und sie wird Sie dort aufsuchen, wo Sie sind, schwimmend in Liquor, irgendwo im limbischen System.«

»BLUE MOON, Ein Experiment zum Nachweis der Seele« entstand in Kooperation mit dem Festival transeuropa 2003 (Hildesheim) und zeigt eine Kommunikationszentrale, die sich verselbständigt hat, einen internationalen Kongress, dem sein Thema abhanden gekommen ist. Der Protagonist ist der Wille, sich zu verständigen, Gemeinsamkeiten festzustellen, Vorgehensweisen zu beschliessen, dem Dasein einen Sinn zu verleihen. Wir haben Einblick in ein perfekt funktionierendes Räderwerk, welches die Energie, die ihm zur Verfügung steht, restlos dazu braucht, sich selbst am Laufen zu halten.

Unsere Sehnsucht, uns verständlich zu machen, uns mit-zu-teilen, wird immer wieder enttäuscht, da die Mittel, die uns zur Verfügung stehen - vornehmlich die Sprache - unzulänglich sind. Die Prothesen, die wir uns geschaffen haben, um die Grenze zwischen Ich und Du zu überwinden, sind nur bedingt effektiv. Sie können zwar das Abbild unserer Körper und Stimmen nahezu frei in Zeit und Raum bewegen, aber schlussendlich bleiben wir doch in unserer Haut gefangen und sind uns selbst am nächsten. Sterben müssen wir allein. n einem kafkaesken Traumbild, einem kollektiven Déjà-vu, zeigt PLASMA Menschen beim tragikomischen Versuch mehr zu sein, als sie sind. Dabei werden die Diskutanten und ihre Sprachgehilfen überflutet vom Datenstrom, den sie erzeugen, je mehr sie versuchen sich verständlich zu machen, umso weniger werden sie verstanden. Was bleibt, ist ein babylonischer Blues.

»Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde. Nach seinem Bilde schuf er ihn. Und da steht er dann jetzt. Schuf ihn nach seinem Ebenbilde und hat ihn hingestellt. Hat ihn hineingestellt in die Welt. Und da steht er dann. Da steht er dann jetzt. Nackt steht er da. Und tut reden. Und tut einen Sinn suchen in der Welt. Und tut reden.«.

Eine Koproduktion mit transeuropa 2003 und dem Schlachthaus Theater Bern

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Pressestimmen:

Die junge, hinreissende Theatergruppe Plasma um Lukas Bangerter und Wowo Habdank ging mal wieder ans Eingemachte.

Musik&Theater

Der Regisseur Lukas Bangerter (Text, Regie und Bühne) konzentriert sich wie kaum bisher auf das Wort: hobelt Synonyme von Sätzen, schickt Sequenzen in die Endlosschlaufe, zwirbelt sein Material präzise durch den Beschleuniger und lässt so die Sprache leuchten in einer rein technischen Schönheit. Die vollendet Martin Wiggerr mit einer Tonspur, in der Elektronik aufregend körperlich knistert. Zudem hat Plasma diesmal enormen Witz. Der speist sich aus repetitiven Mustern und beginnt ergo dort, wo der bürgerliche Humor an seine Grenze stösst: bei der vierten oder fünften Wiederholung der Wiederholung. Bangerter ist so sehr Lausbub wie formaler Rigorist. Ein Techno-Tati.

Der Bund

Der Regisseur hat seine Schauspieler auf maschinengenauen Ausdruck getrimmt. Das Ensemble von sieben Künstlern versteht es aber auch, die Tugend der Exaktheit durch menschliche Regungen zu durchbrechen. Der Zauber des blauen Mondes reicht bis in den Zuschauerrraum. Wir haben doch noch Hoffnung.

Helsingin Sanomat

Bangerters ästhetisches Interesse gilt offensichtlich dem Punkt, wo die Sprache aufhört, Transportmittel für Bedeutung zu sein. In ihren Kernmomenten verdichtet sich seine Inszenierung zu minimalmusikalischen Live-Performances (Sound-Design: Martin Wiggerr), in denen die leeren Worthülsen zu rein phonetischen Gestaltungsmitteln werden. So perfekt machte das Plasma noch nie.

Tagesanzeiger Zürich

Je länger die beeindruckend präzis gearbeitete Performance andauert, desto turbulenter werden die Aktionen; desto mehr wird aus Sprache Musik und aus Bewegung Performance. Je verzweifelter sich die grauen Business-Gestalten um individuellen Ausdruck bemühen, desto chorischer strafft sich das Chaos aus Wörtern, Phantasielauten und Tönen. Ein babylonisches Körper-Sprach-Gewirr: virtuos inszeniert. Man geht hinaus wie nach einem sehr guten Beckett-Abend, erheitert und beschwingt vom Scheitern.

Rheinische Post

Lukas Bangerter, der Initiator, Regisseur, Texter und Bühnenbildner, nimmt den Erfolg gelassen. Er arbeitet unbeirrt an der Umsetzung seiner Ideen, und zwar mit jener akribischen Arbeitswut, mit der er seit 1999 verfehlte Kommunikationsformen durchexerzieren lässt. Seine Figuren reden, verkabelt und verdrahtet, aneinander vorbei, reproduzieren loopartige Floskeln, Zitate, bis die Sprache irgendwann in ihre Bestandteile zerfällt und nur noch Rhythmus ist.

Neue Zürcher Zeitung

Die Genauigkeit der Inszenierung hielt das Publikum in Bann. Mit seiner konsequenten Untersuchung schaffte es Plasma, Kommunikationsmechanismen sichtbar zu machen und damit – spätestens als beim Festivalforum wieder vier Mikrofone an einem langen Tisch aufgestellt wurden und die Redner ihre Plätze einnahmen – das eigene Rezeptionsverhalten infrage zu stellen.

Theater der Zeit

Genaue Gestenstudien mit hohem Wiedererkennungseffekt, eine szenische Einfachheit, und eine Situationskomik, die sowohl Loriot als auch Kafka beschwören, entlarven die hohle Mechanik menschlichen Austauschs. Die virtuose Sprachinszenierung machten ein ebenso kluger wie origineller, wortberstender Text und absolut konzentriert und überzeugend agierende Akteure möglich.

Hildesheimer Allgemeine